Die vielleicht älteste Flaschnerwerbung
-wie alles begann-
Wir schreiben das Jahr 1903. In der Morgendämmerung eines schönen
Sommertages tritt der Flaschnermeister Gottlieb Scheu mit seinem Sohn und
Auszubildenden Otto einen langen Fußweg an. Mit Handkarren, einer Holzleiter,
Werkzeug und handgemachten Dachrinnen machen sich die beiden auf den
Weg von Michelbach in das 5 Kilometer entfernte Wettringen. Es liegt über der
Landesgrenze in Bayern. Dort soll an einer Scheune die Rinne erneuert werden.
Als sie gegen 8 Uhr das Gehöft erreichen, werden sie schon von der Bäuerin mit
frischem Vesper begrüßt. Frisch gestärkt machen sich die Flaschner ans Werk.
Während Otto die Rinnenträger anschlägt, verbindet sein Vater die einen Meter
langen handgefertigten Rinnenstücke um sie später in die Träger einzulegen.
Es naht der Mittag. Die Bäuerin ruft zu Tisch. Es ist noch üblich, dass
Handwerker am Tisch des Kunden eingeladen waren. Es gibt Kartoffelsuppe. Auf
den typisch hohenloher Spruch: „wenn Du mich jetzt fragen würdest, ob ich
Deinen Most versuchen will, würde ich nicht nein sagen!“ holt der Bauer auch
schon einen Krug aus dem Keller.
Da die beiden Flaschner noch viel Arbeit vor sich haben, gehen sie auch schnell
wieder ans Werk.
Mittlerweile kommen die Kinder aus der Schule. Als sie den Flaschners-Karren
an der Hofeinfahrt stehen sehen wissen sie genau was es da gibt: „Flaschner –
mach mir a Pfeiferle!“ rufen sie schon von weitem. Flaschnermeister Gottlieb
Scheu weiß sofort was er zu tun hat. Er muss für die Kinder ,Pfeiferle’ machen.
Aus zwei Weißblechstreifen die er dafür immer im Karren hat formt er kleine
Pfeifen. Etwa zwei mal drei Zentimeter groß, aber mit großer Wirkung…
Mit ihren „Werbegeschenken“ macht sich die Kinderschar auf den Weg nach
Hause. Mit lautem, schrillen gepfeife kaum zu überhören, ziehen sie durch die
Gassen. Spätestens jetzt weiß jeder: Der Flaschner ist im Ort!
Nach kurzem Befragen eines Kindes weiß man auch schnell wo.
Da irgendjemand immer was zum Reparieren hat, oder eine neue Dachrinne
braucht, sieht man recht bald Hausfrauen mit undichten Bettflaschen aus Kupfer
oder Bauern mit kaputten Milchkannen zu unseren Flaschnern pilgern. Aber
auch Aufträge für Dachrinnen bekommen die beiden.
Nach getaner Arbeit nehmen sie die defekten Teile mit nach Hause in die
Werkstatt um sie bei schlechtem Wetter dort zu reparieren.
Nach dem die Teile repariert sind wird ein Zettel mit dem Namen und dem Preis
daran gehängt. Das hat seinen Grund. Denn mit dem Milchwagen, der in
Michelbach stationiert ist werden die Teile wieder nach Wettringen
zurückgeschickt. Wenn die Kunden dann einmal wieder zum Einkaufen mit dem
Fahrrad nach Michelbach kommen, wird die Reparatur bezahlt.
Und wenn der Flaschner in eine andere Ortschaft kommt, beginnt das ganze von
Neuem. Überall ist er zu der Zeit bei Kindern für seine kleinen Präsente bekannt.
Diese Tradition hat sich von Gottlieb Scheu über Otto Scheu und Karl Scheu bis
heute gehalten. 
In 4. Generation wird das „Pfeiferle“ heute von mir nicht nur für Kinder gemacht.
Jens Scheu
-Flaschnermeister-       
Michelbach/Lücke
10. März 2008
Herstellen eines „Pfeiferles“
1.)
Zuerst schneidet man sich zwei Streifen Weißblech (verzinntes
Stahlblech) mit etwa 2 x 7 cm zu.
2.)
An einen der beiden Streifen formt man mit der Rundzange einen
Resonanzraum mit etwa 10 mm Durchmesser.
3.)
An das zweite Blechstück wird mit der Flachzange ein etwa 8 mm
breiter Umschlag gebogen.
4.)
Nun wird der zweite Streifen in den ersten quer eingehängt.
5.)
Der Abdeckstreifen wird mit ca. 8 mm Überstand abgeschnitten.
6.)
Jetzt wird der 8 mm Lappen um den ersten Streifen herum gebogen und
leicht angedrückt, wobei zwischen oberem und unterem Streifen ein
Spalt von ca. 1 mm bleiben muss.
7.)
Auch der letzte noch abstehende Lappen wird auf ca. 8 mm zurück
geschnitten. Die Kanten werden zum Schutz vor Verletzungen
abgeschnitten.
8.)
Wie bei dem oberen Streifen Kantet man nun den letzten Lappen nach
hinten. Auch hier ist zu beachten, dass der Luftspalt vorhanden bleibt.
9.)
Das Pfeiferchen ist jetzt fertig. Um zu pfeifen ist wichtig, dass man den
Resonanzraum seitlich zu hebt.
Aber nicht verzweifeln, wenn beim ersten Versuch kein Ton heraus kommt. Denn
ein „Pfeiferle zu machen“ ist wie so vieles Übungssache…
© Jens Scheu
1.) 2.) 4.) 3.) 5.) 6.) 7.) 8.)
Geschichte   Flaschnerpfeiferle
Bericht im Klempnermagazin 3/2008
Bericht im Haller Tagblatt
Wir sind überwältigt!
WELTREKORD in 27 Ländern,
an über 83 Standorten:
Bau von 51.337 Pfeifen!
Wir können es selbst kaum fassen was da
zurzeit in der Branche los ist!
Vor rund 111 Jahren hatte unser Firmengründer Gottlieb Scheu eine
grandiose Marketing-Idee. Er baute für Kinder kleine Pfeifen aus
Metall. (siehe Bericht unten) Er ahnte wohl noch nicht was sich daraus
entwickeln sollte.
Was über Jahrzehnte mehr oder weniger nur intern über Generationen
weitergegeben wurde, entwickelte sich in den letzten Wochen und
Monaten zu einem riesen Hype. Auf Facebook, in der Fachpresse, auf
Branchenveranstaltungen, einfach überall gibt es fast nur noch ein
großes Thema: Flaschner-Pfeifen!
Fast schon im Stundentakt treffen über Facebook neue Bilder und
sogar Videos von den teils entlegensten Winkeln der Erde ein. Überall
Auf der ganzen Welt werden Flaschner-/Spenglerpfeifen gebaut.
Mittlerweile gibt es sogar einen Slogan der unseren Berufsstand mit
unserer Erfindung verbindet: “Spengler - Beruf mit Pfiff!“
Unter diesem Motto kam es am Samstag 5. April 2014 zu einem
(vorläufigen) Höhepunkt:
Flaschner, Spengler, Blechner und Klempner auf der ganzen Welt
bauten in 27 Ländern, an über 83 Standorten 51.337 Pfeifen -
Wahnsinn!
Nähere, topaktuelle Infos gibt’s unter:
Selbstverständlich waren auch wir als Standort dabei! Von 10-16 Uhr
haben wir mit 1.008 Pfeifen unseren Beitrag zum Weltrekord geleistet!
Wir sind gespannt was wohl als nächstes kommt...
...wir sind einfach sprachlos!
Bericht im Hohenloher Tagblatt am 4. April 2014
Bericht im Hohenloher Tagblatt am 11. April 2014